Der „P2“ 1998

1. Dezember 2017 |Aktuelles Wissen
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Dom Pérignon ändert mit diesem Jahrgang die Bezeichnung seiner Oenotheque-Serie, die immer größere Bedeutung erlangt. Die erheblich verlängerte Hefelagerung intensiviert das Geschmackserlebnis und arbeitet die Note nach Toastbrot / Brioche stärker heraus. Nach etwa 15 Jahren erreicht ein Dom Pérignon ein zweites Qualitätsplateau, „Plénitude“ genannt.

In der Logik von Dom Pérignon ist das die zweite Plénitude, daher der Name „P2“. Die P1 nach sieben Jahren Hefelagerung entspricht der normalen Dom Pérignon Qualität.

Vereinzelte Jahre aber lässt man bis zur P3 in den Kellern reifen, das kann bis zu 40 Jahre dauern.

Üblicherweise reift ein Dom Pérignon 7 Jahre auf der Feinhefe in den Kellern, bis er in den Handel kommt. Die zweite Stufe – „La Plénitude de l’Énergie“ – folgt nach etwa 12 bis 15 Jahren. Danach kommt als krönendes Finale „La Plénitude de la Complexité“, die ein Dom Pérignon Champagner nach 20 bis 30 Jahren erreicht.

Der für diese weiteren Reifephasen verantwortliche Prozess wird „Autolyse“ genannt und bezeichnet die schleichende Selbstauflösung der nach der zweiten Gärung auf der Flasche abgestorbenen Hefezellen. Der feine Brot- oder Toastgeschmack kommt übrigens genau von diesen Hefezellen. Durch die sehr lange Lagerung summieren sich für das Champagnerhaus enorme Kapitalkosten, weswegen diese Luxusprodukte gegenüber der Standardqualität nochmals erheblich teurer sind.

Das Warten auf die zweite und Dritte Reifestufe wurde vorher als „Oenothèque“ bezeichnet.

Doch der große Erfolg der Oenotheque-Serie gibt Dom Pérignon Recht, sodass die Quoten der in den Kellern eingelagerten Flaschen mit jedem Jahrgang größer werden. Im Sommer des Jahres 2014 erfolgte die Markteinführung des P2 1998, der mit dem neuen Namen auch gleich ein neu gestaltetes Etikett bekam. Statt des edlen Schwarz wählte man ein dunkles Braun mit goldener Schrift.

Der Jahrgang 1998 mit seinem wechselhaften Wetterverlauf wird allgemein etwas unterschätzt, steht er doch im Schatten des großen 1996ers und des sehr guten 1999ers.

Nach einem heißen August kühlte der September ab und brachte zudem eine Menge Regen und viele Wolken. Wer jedoch mit der Lese wartete, wurde mit sehr guten Erntebedingungen und gesunden, reifen Trauben belohnt.

Der P2 1998 ist ein intensiver Champagner, dicht und mit einer feinen mineralischen Struktur. Exotische Früchte und immer wieder eine dominierende Zitrusfrische zeigen sich in den Aromen. Die Dom Pérignon typische Cremigkeit im Mundgefühl macht diese Champagner besonders verführerisch. Richard Geoffroy vergleicht die P2 Version gegen die (P1) Standardcuvée mit einem HDTV-Bild im Vergleich zum Standardfernsehen. Es ist das gleiche Bild, nur viel höher aufgelöst und mit mehr Präsenz. Es lohnt sich übrigens, dem P2 nach dem Öffnen der Flasche etwas Zeit zu lassen, ihn vielleicht sogar eine Stunde zu dekantieren. Der Champagner legt an Intensität und Komplexität enorm zu, ein typisches Zeichen für einen großen Wein oder Champagner und auch dafür, dass eine weitere Flaschenlagerung nicht schaden könnte.

Während noch vor einigen Jahren die großen Champagnerhäuser auf spezielle Lagenchampagner in kleinsten Mengen gesetzt haben, geht der Trend heute zu sehr langen Lagerzeiten auf der Hefe. Die Konkurrenten Krug, Roederer oder Salon ziehen nach oder planen dies bereits. Es ist zwar nicht der schnellste Weg, einen noch besseren Champagner zu machen, aber der einfachste. Und wenn der Preis dann zwischen dem zwei- bis dreifachen liegt, hat es sich in jedem Fall gelohnt. Bei Flaschen aus der Plénitude 3 kann man dann nochmal ein Vielfaches nehmen, den die Mengen sind winzig und das Geschmackserlebnis ist groß. Der P2 ist also erst die Einstiegsdroge in eine noch höhere Stufe. Es ist wohl damit zu rechnen, dass es künftig von jedem Dom Pérignon Jahrgang auch die entsprechenden P2 und P3 Versionen geben wird.

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